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  Thanatus vulgaris
 

Thanatus vulgaris

Als ich vor kurzem eine Heimchendose mit Grillen öffnete, krabbelte mir dort eine winzige Spinne entgegen. Ich schaffte es, sie mit einer Filmdose einzufangen und setzte das Spinnchen in einen durchsichtigen Becher mit Deckel von ca. 11 cm Höhe u. ca. 10 cm Durchmesser, den ich mit Erde auffüllte und eine Astgabel einbrachte.

Ich hatte im ersten Moment keine Ahnung, um was für eine Art es sich dabei handelt. Deshalb habe ich mal ein wenig gegoogelt und dann folgenden Bericht gefunden:

Identität der "Spinne aus der Heimchendose" entlarvt!
von
Volker von Wirth

Nachdem im März 2002 eine der größten Futterinsekten produzierenden Firmen in Deutschland 
abbrannte, versuchte diese Firma ihr Angebot nach wie vor aufrecht zu halten, indem größere
Mengen von Heimchen aus den USA importiert und anschließend verkauft wurden. Allerdings wurden
nicht nur die Heimchen importiert, sondern auch - unfreiwillig - ein paar weitere "Gäste", die in den amerikanischen Futterinsektenzuchten leben, nämlich sog. "Speckkäfer" (Dermestes laudarius, Demestidae, Coloeoptera) und eine größere Laufspinnenart.

Nachdem die Firma wieder aufgebaut war, blieben diese beiden Arthropoden als ständige "Gäste" in der Zuchtabteilung erhalten, und es passiert deshalb nicht selten, daß beim Verpacken der Futtertiere auch einmal eine solche Spinne mit eingepackt wird.

Um die Identität dieser Spinne zu klären, wurde Material dieser Art an den Arachnologen Dr. PETER JÄGER vom Institut für Zoologie der Johannes Gutenberg-Universität zu Mainz geschickt.
Dieser publizierte in den Arachnologischen Mitteilungen der Arachnologischen Gesellschaft e.V. einen Artikel über die Ergebnisse seiner Identifikationsarbeit (JAEGER 2002).

Demnach handelt es sich bei dieser Spinne um eine Philodromidae der Gattung Thanatus, nämlich Thanatus vulgaris (SIMON 1870). Diese Art hat nach Platnick ihr Verbreitungsgebiet in der Holarktis. In die USA wurde sie wahrscheinlich eingeschleppt. In Europa liegt ihr bisher bekanntes nördlichstes Verbreitungsgebiet in den
Alpen. Funde aus Deutschland sind bisher nicht bekannt.

Die europäische Variante dieser Art lebt in trockenen Steinsteppen. In Amerika soll sie hauptsächlich in Gebüsch und an Gebäuden gefunden worden sein. Die Lebensweise der Tiere in der Insektenzucht-
abteilung entspricht dem amerikanischen Typus, d.h. sie halten sich bevorzugt an den Regalen und den Hallenträgern der Abteilung auf. Dort werden auch die Kokons - häufig in Winkeln - angebracht und von den Weibchen bewacht. Nach JÄGER sind die Tiere aus der  Futterinsektenzucht ungewöhnlich groß. So hatte ein Weibchen eine Körperlänge von 11 mm!

entnommen aus DeArGe Mitteilungen 7(11), 2002

Nun wußte ich also mehr über meinen "zugelaufenen" Mitbewohner. Mittlerweile lebt er seit gut einer Woche (heute ist der 19.04.08) in seinem Becher und scheint sich sichtlich wohl zu fühlen. Die Spinne sitzt die meiste Zeit kopfunter oben auf einem der Äste auf der Lauer. Sobald ich ein Mini-Heimchen oder eine Mini-Grille hineinwerfe, stürzt sich das Spinnchen wie ein Blitz auf die Beute und zieht es nach oben. Dort wird es dann gemütlich verputzt und die Restchen werden dann einfach auf den Boden geworfen.

Wenn Ihr also auch einmal das Glück haben solltet, einen solchen Gast in einer Futtertierdose zu finden, tötet ihn bitte nicht und setzt ihn auch nicht einfach irgendwo aus (das Aussetzen von Wildtieren ist verboten!), sondern gewährt ihm die nötige Gastfreundschaft, die jedes Lebewesen verdient hat.

Thanatus vulgaris


Hier verspeist sie gerade ein Heimchen.


Mittlerweile hat sich die Kleine gehäutet und ist ein schönes Stück gewachsen.




Nach der Häutung die erste Mahlzeit, eine Grille.