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  Vermehrung
 

Vermehrung

Geschlechtsbestimmung
Ein schwieriges Thema. Das Geschlecht läßt sich leider bei Spiderlingen und Jungspinnen nicht an äußeren Merkmalen erkennen. Um wirklich sicherzugehen benötigt man dazu ein Stereomikroskop. Mit ihm kann die Haut unmittelbar nach der Häutung auf das Geschlecht hin geprüft werden.
Bei geschlechtsreifen Tieren ist es etwas einfacher. Denn Männchen machen eine Reifehäutung durch. Nach dieser häuten sich männliche Vogelspinnen nicht wieder. Ist die Reifehäutung beendet, kann man eine Veränderung des vorderen Beinpaares erkennen. An den Beinen befinden sich jetzt sogenannte "Schienbeinhaken". Sie werden bei der Paarung benutzt, um das Weibchen hoch zu stemmen. Außerdem befinden sich an den Tastern des Männchens "Bulben". Mit ihnen wird das Sperma bei der Paarung übertragen. Sie werden nach dem Bau eines Spermanetzes mit Sperma gefüllt. Männchen bauen im Abstand von 2 bis 6 Wochen Spermanetze. Das machen sie bis an ihr Lebensende. Nach der Reifehäutung werden Männchen selten länger als 1,5 Jahre leben.
Hat man eine Vogelspinne länger als 5 Jahre, ohne das sie eine Reifehäutung gemacht hat, handelt es sich auf jeden Fall um ein Weibchen. Diese werden mit 4 bis 5 Jahren geschlechtsreif und manche Arten können ein beträchtliches Alter erreichen. Angeblich können Weibchen von Brachypelma smithi bis zu 30 Jahre alt werden. Böcke werden dagegen maximal 3 bis 4 Jahre alt, wobei die Geschlechtsreife nach 1,5 bis 2,5 Jahren eintritt. 

Bulbus eines geschlechtsreifen Männchens


Spermathek eines adulten Weibchens


Paarung

Böcke sollten 2 bis 3 Wochen vor der geplanten Verpaarung ins Terrarium des Weibchens umgesetzt werden. Es ist unbedingt notwendig, daß das Männchen mit einem Schutzkorb vor Übergriffen des Weibchen geschützt wird. Der Schutzkorb kann leicht aus einer Kunststoffbox selbst gemacht werden. Sie muß so groß sein, daß sich das Männchen darunter gut bewegen kann und ein Trinknapf Platz hat. In die Seitenwände bohrt man einige Löcher von mindestens 12 mm Durchmesser. Dieser Schutzkorb wird mit dem Boden nach oben über das Männchen und den Trinknapf gestellt, nachdem es in das Terrarium des Weibchens gesetzt wurde. Weibchen einiger Arten, vor allem Baumbewohner, dulden das Männchen auch ohne Schutzkorb einige Zeit in ihrem Reich, aber das sind eher die Ausnahmen.
Das Männchen wird bald anfangen mit den Vorderbeinen auf dem Boden zu klopfen. In einem stillen Raum kann man das sogar hören. Das Weibchen wird irgendwann mit Klopfzeichen antworten. Man kann nach einiger Zeit beobachten wie das Weibchen den Schutzkorb mit den Beinen abtastet. Dabei kommt es öfter zu Berührungen zwischen den Tieren. Denn Männchen und Weibchen betasten sich durch die Löcher des Schutzkörbchens. Dieses Vorspiel wiederholt sich in den nächsten Tagen immer wieder. Nach etwa 10 bis 14 Tagen entfernt man vorsichtig den Schutzkorb. Man sollte sich nun mit einer langen Pinzette oder ähnlichem bewaffnen. Mit der Pinzette können die Tiere nach der Paarung in Schach gehalten werden, so daß das Männchen der Partnerin unbeschadet entkommt. Nicht selten tötet das Weibchen den Bock unmittelbar nach der Verpaarung. Wenn man das verhindern kann, kann man das Männchen auch noch mit anderen Weibchen paaren.
Ist der Schutzkorb entfernt worden, wird das männliche Tier mit klopfenden Beinen auf das weibliche Tier zugehen. Wenn er die Partnerin erreicht hat, streichelt er sie um sie zu stimulieren. Ist sie paarungsbereit lässt sie sich von ihm hochstemmen und fällt in eine Art Begattungsstarre. Sie dauert bis zum Ende der Paarung. Die männliche Vogelspinne hakt die Vorderbeine des Weibchens in seine Schienbeinhaken ein und drückt sie hoch, Nun kann er seine Bulben in die Geschlechtsöffnung des Weibchens einführen und sein Sperma an sie übertragen. Das kann sehr schnell gehen oder sich über längere Zeit hinziehen. Danach wird er zu fliehen versuchen. Langsam lässt er das Weibchen runter und streichelt sie mit den Beinen. Dabei geht er immer weiter rückwärts von ihr weg. Plötzlich lässt er ganz von ihr ab und rennt los. Nun fängt man das Männchen ein und gibt es in sein Terrarium zurück. Nach einigen Wochen kann man sicherheitshalber nochmal einen zweiten Versuch starten. 

Paarung von Brachypelma albopilosum

Eiablage und Kokonbau
Etwa 8 bis 12 wochen nach der Paarung baut das Weibchen in seiner Höhle einen Teppich aus Spinnseide. Darauf legt sie die Eier ab. Je nach Art können es zwischen 30 bis zu 1200 Eier sein. Während der Ablage befruchtet das Weibchen die Eier mit dem Sperma des Männchens. Danach spinnt sie einen Kokon um die Eier herum. Dieser wird von vielen Arten bis zum Schlupf der Babys bewacht. Das hat den Vorteil, daß das Weibchen den Kokon immer an den Ort mit den günstigsten Klimabedingungen bringen kann.

Der Schlupf
Die Babyspinnen schlüpfen etwa 4 bis 12 Wochen nach der Eiablage. Die Brutzeit hängt auch von der Art der Vogelspinnen ab. Zuerst schlüpfen kleine Larven, die sogenannten "Nymphen". Sie verlassen den Kokon aber erst nach der ersten Häutung. Bei dieser ändert sich häufig Farbe und Aussehen der Babys. Die fertig entwickelten Spiderlinge dringen durch den Kokon nach außen. Sie sind von nun an selbständig und auf sich allein gestellt. Die Mutter kümmert sich nicht weiter um sie außer daß sie sie oft "zum fressen gern hat". Daher sollte man den Kokon auch zeitigen, also rechtzeitig dem Weibchen wegnehmen. 

Nymphen

Die Aufzucht
Die ersten Monate ihres Lebens setzt man die Spiderlinge z.B. in Filmdosen. Das Vereinzeln kann bei mehreren hundert Babys sehr aufwendig sein. Ebenso die Fütterung einer so großen Kinderschar. Ich habe gehört daß viele Züchter z.B. 10 Babys in eine Filmdose setzen. Diese fressen sich gegenseitig auf und so bleibt einem Anfangs die Füttterung erspart. Klingt brutal, doch auf diese Weise findet sowas wie eine natürliche Auslese statt. In jeder Filmdose wird der stärkste Spiderling überleben.
Später kann man die Slings dann z.B. mit Fruchtfliegen und Microheimchen füttern. Mit zunehmender Größe der Spiderlinge muß sich auch die Größe der Futtertiere erhöhen. Die kleinen häuten sich anfangs relativ oft. Mit zunehmenden Alter werden auch die Häutungsintervalle größer. Selbstverständlich müssen auch die Aufzuchtbehältnisse mit der Zeit größer werden. Erst ab einer Körperlänge von ca. 3 cm sollte man eine Spinne dann ins geeignete Terrarium geben.